Die Ilsequelle

Die Ilsequelle befindet sich nahe der Lahn bei Heiligenborn, in Nordrhein-Westfalen, unweit zur hessischen Grenze. Schon im Mittelalter war die Quelle als heilige Quelle berühmt, zu der Kranke und Leidende pilgerten um Linderung durch das heilige Wasser zu erfahren. Kranke und Indisponierte aus Köln, Düsseldorf, Marburg und Kassel kamen nah und weit her. Aufgrund der wirtschaftlichen Möglichkeiten, welche eine solche Pilgerstätte bot, erkannten die nassauischen Grafschaften von Dillenburg und Siegen deren Wert und begannen die „Einrichtung einer ordentlichen Brunnenanstalt“. Badeweiher, Hütten und Zelte zur Unterbringung und Verköstigung der Pilgergäste wurden errichtet und unterhalten und vermutlich zahlreich gebaut. Wenn man sich die Reisebedingungen der damaligen Zeit vorstellt, welche die Kranken auf sich nehmen mussten, erahnt man, welchen wunderbaren Ruf zur Heilung und Linderung von Krankheiten das Wasser der Ilse in jener Zeit genoss. Der 30jährige Krieg, die Pest und Hungerjahre in jener Epoche beendeten schließlich das bunte Badegeschäft.
Die mittelalterliche Quelleinfassung, welche im 17. Jahrhundert verschleppt worden war, ein Stein mit viereckiger Öffnung unter der einst ein Opferstock angebracht war, ist seit einigen Jahren wieder an die Quelle zurückgekehrt. In der jüngsten Zeit erfährt das Interesse an der Heiligen Ilsequelle eine kleine Renaissance, sicherlich auch bedingt durch den im Jahre 2001 eröffneten Rothaarsteig, ein Wanderweg im Rothaargebirge, welcher über selbigen Gebirgskamm führt. Heute kann man vermehrt Menschen beobachten, die mit Flaschen und Kanistern zur Ilsequelle wandern, um dort das Wasser mit nach Hause zu nehmen und dort gegen allerlei Zipperlein anzuwenden. Die Magie des Wassers ist also nach einer Phase der Vergessenheit ungebrochen und so ist es ein besonderer Umstand, dass die Ilse sich nach einigen Kilometern mit der Lahn vereinigt und sozusagen „Heiliges Wasser“ zur Lahn führt. Welcher Fluss kann das sonst von sich behaupten?

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Das Hessenlied

Hier ist das Hessenlied zum anhören:

Gesungen vom Chor der Hessischen Staatskanzlei. Solistin ist Konstanze Kremer, es spielt das Jugend Sinfonie Orchester des Landes Hessen.

 

Hier ist die Textform zu dem Hessenlied:

„Ich kenne ein Land“

Ich kenne ein Land,
so reich und so schön,
voll goldener Ähren und Felder.
Dort grünen vom Tal bis zu
sonnigen Höhn
viel dunkele, duftige WäIder.
Dort hab ich als Kind an der
Mutter Hand in Blüten und Blumen gesessen.

Ich grüß dich, du Heimat,
du herrliches Land.
Herz Deutschlands,
mein blühendes Hessenland.

Vom Main bis zur Weser,
Werra und Lahn
ein Land voller blühender Auen,
dort glänzen die Städte,
die wir alle sahn,
sind herrlich im Lichte zu schauen.
Dort hab ich als Kind an der
Mutter Hand in Blüten und Blumen gesessen.

Ich grüß dich, du Heimat,
du herrliches Land.
Herz Deutschlands,
mein blühendes Hessenland.

(Text: Carl Preser, 1828-1910 / Melodie: Albrecht Brede, 1834-1920)

Mohnblüte am Hohen Meißner

Die Sonne war noch nicht sichtbar über dem Horizont. Aber ihr Licht rückte schon die ganze Farbenpracht um mich herum in den herrlichsten Farbtönen von Grün über Blau zu Rosaviolett in Szene. Meine Schuhe wurden feucht, als ich am Feldrand durch das mit Tau benetzte Gras gestriffen bin, überwältigt von der Schönheit der Mohnblütenfelder am Meißner in Germerode. In der Ferne grasten friedlich ein paar Pferde und die frühen Vögel sangen ihre Lieder. Doch trotzdem wirkte es still und kein Mensch war zu sehen. Das beruhigende Summen fleißiger Bienen, Hummeln und allerlei Insekten sollte mich in den Morgenstunden begleiten, fleißig flogen sie jede Blüte an, die ihre Blütenkelche einladend geöffnet hatten. Und ich bin sicher, alles in allem sind es Millionen von Blüten, die ich heute sah! Zählen konnte man sie nicht. In den letzten Tagen war es immer bewölkt gewesen in Hessen, ab und an regnete es auch. Doch an diesem Morgen im Juni hatte ich Glück. Die dichte Wolkendecke hatte sich in der Nacht aufgelöst und der blaue Himmel gewann beständig Oberhand. Ich begann meinen Rundgang an der Mohntenne Richtung Süden. Die feucht-würzige Luft der noch mit Tau benetzten Pflanzen und Kräuter ist besonders intensiv, da kein Wind den Duft verdünnt. Der Weg führte mich mitten durch die Mohnfelder. Der Boden war ganz weich vom gründlich mit Stroh ausgelegten Pfad, der durch den flachsrosafarbenen Schlafmohn (Papaver somniferum) führte, dem ersten Feld von zahlreichen, welchen ich dank dieser Streckenführung einen Besuch abstatten durfte. Der Rundweg war sehr gut ausgeschildert. Der Pfad durfte nicht verlassen werden, damit die Pflanzen geschont und ungestört blieben. Der Weg führte nicht nur durch Mohnfelder, sondern auch entlang an

Papaver rhoeas
Das schöne Rot des Klatschmohns

hochstehenden Nutzpflanzen wie Weizen, Hafer, Gerste, etc. An verschiedenen Stellen erhielt man weitergehende Informationen. So erfuhr ich z. B., dass bereits im 5. Jahrtausend vor Christus Dinkel im heutigen Georgien angebaut wurde. Dinkel ist die Urform des heutigen Weizens. Ab 1700 v. Chr. wurde er in der Schweiz nachgewiesen. Im 18. Jahrhundert war Dinkel ein wichtiges Handelsgetreide. Die mit etwa 50.000 ha in Europa sehr geringe Anbaufläche steigt inzwischen wieder stetig aufgrund der Nachfrage nach Dinkelprodukten. Der als „Grünkern“ bekannte Dinkel wurde unreif geerntet und eignet sich nicht zum Backen, wohl aber ist er als Beilage zu Suppen oder als Grundlage für Bratlinge geeignet und somit ein hervorragender Fleischersatz. Oder man erfuhr, dass Gerstensaft sehr beliebt ist: Bier wird vor allem aus Sommergerste gebraut. Die Wintergerste dient hingegen überwiegend als Futter für Schweine und Geflügel. Von allen Getreidearten ist Gerste die älteste Kulturpflanze, so lese ich: Schon seit über 7000 Jahren wird sie angebaut.

Mit dem Aufgang der Sonne begann nun auch die Thermik für einen frischen Wind zu sorgen, ihre Wärme ließ die Pflanzen trocknen und damit noch intensiver riechen. Der Weg hatte mich inzwischen auf eine Anhöhe geführt und von hier aus konnte ich in alle Richtungen einen tollen Ausblick genießen. Wie schön die Landschaft hier ist! Frisches Grün mischte sich mit zahlreichen Blau, Rot und Gelb- und Brauntönen, hinzu kamen Tupfer bestehend aus reinem Weiß, das mussten Farben sein wie in der französischen Provence oder der italienischen Toscana. Es sollte wirklich einmal selbst erlebt werden.

Das König-Konrad-Denkmal

Laut Wikipedia ruht die fast 2,32 Meter hohe Statue auf einem Sockel aus Lahnmarmor und sie ist aus belgischem Sandstein gefertigt. Wer mehr zu Konrad I erfahren möchte, kann dies hier tun. Ursprünglich sollte das Denkmal seinerzeit in Weilburg errichtet werden, weil Konrad dort im Winter 918 verstorben ist. Der von den Initiatoren für das Denkmal ursprünglich geplante Standort, das „Landtor“, stieß aber auf Widerstand eines einflussreichen Bürgers und scheiterte letztendlich. Aufgrund verschiedener Umstände, und die durch die Suche nach einem neuen Standort geschuldeten, zeitlichen Verzögerungen, was mit einem nachlassenden Interesse in der damaligen Bevölkerung einherging, erfolgte die Denkmalenthüllung schließlich 1894 auf dem Bodensteinerlai bei Villmar und nicht in Weilburg.

Vom Tal her kann man den wunderschönen Felsen bewundern und auch die Statue König Konrads erkennen. Ein Weg zu dem Denkmal hin existiert von dort aus jedoch nicht. Denn die Lahn fließt dazwischen und einen Übergang hinüber gibt es an der Stelle nicht. Man muss also entweder die Brücke in Villmar (ca. 900 Meter Fußweg, wenn man auf dem Leinpfad gegenüber an der nächsten Stelle zum Felsen steht) oder aber die in Runkel (von gleicher Ausgangsposition ca. 2,1 Kilometer) nutzen, um das Gewässer zu überqueren. Die Landstraße von Runkel nach Villmar (L3063) wird im Gebiet der Gemeinde Villmar zur „König-Konrad-Straße“ und führt über den Bodensteinerlai. Dort macht sie am Denkmal von Runkel kommend eine steile Kurve, sicherlich bedingt durch inzwischen geschlossene und renaturierte Steinbrüche zu beiden Seiten (sie können und dürfen nicht betreten werden). Richtung Villmar schlängelt sich die Straße wieder ins Lahntal hinunter. Auf dem im Volksmund genannten „König-Konrad-Felsen“ befindet sich vor dem Denkmal ein Parkplatz, so dass man mit jeglichem Fahrzeug gut halten kann. Den Weg über die König-Konrad-Straße von Villmar oder Runkel zu erwandern, empfiehlt sich meines Erachtens nach nicht, da es keinen Fußweg an der Straße gibt und durch den je nach Tageszeit teilweise starken Autoverkehr für Personen am Streckenrand viel zu gefährlich ist. Ein Besuch des Denkmals lohnt sich. Hat man nun vielleicht nicht gerade ein ausgeprägtes Interesse an Denkmälern (übrigens spiegelt dieses gut die kaiserzeitliche Geschichtspflege im 19. Jahrhundert wieder, siehe dazu den Auszug aus dem „Runkeler Anzeiger“ von 1894 weiter unten im Text), so kann man jedoch sehr schön den Blick in das Lahntal richten. Verweilen wir noch einen Augenblick beim Denkmal: das Standbild befindet sich auf einem sehr schönen Sockel aus Villmarer Marmor und stellt Konrad in voller Königstracht dar. Er betrachtet die vergoldete Königskrone in seiner Linken mit leicht gesenkten Haupt, während die Rechte auf den Kreuzgriff eines mächtigen Schwertes (Karls des Großen) stützt. Leider fällt das Denkmal in Abständen dem Vandalismus zum Opfer und die Krone (aus Metall) wird dem König immer wieder aus der Hand geschlagen. Daher findet man die königliche Insignie heute nicht mehr in seiner Linken. Vor Jahren habe ich sie aber noch sehen dürfen. Solch eine sinnlose Zerstörungswut ist sehr bedauerlich. Früher war die Statue auch noch mit einem eisernen Zaun umgeben, der ist aber inzwischen entfernt worden, warum das geschah, konnte ich bisher nicht herausfinden. Schaut man von dem Denkmal nun auf die gegenüberliegende Talseite, so erblickt man das Naturschutzgebiet „Wehrley“, geschützt wegen seiner besonderen Trockenflächen und alten Weinbergsanlagen. Rechterhand sieht man Villmar und seine markante Pfarrkirche St. Peter und Paul (katholisch), linkerhand erkennt man Runkel und die dem Ort gegenüberliegende Burg Schadeck. Dazwischen ist Fluss, Wald und Wiese. Die Eisenbahnstrecke von Koblenz über Limburg nach Wetzlar (Lahntalbahn) verläuft hier fast parallel zum Gewässer. Das Lahntal wird an dieser Stelle genutzt von Radfahrern und Wanderern, aber auch viele Spaziergänger schätzen den Weg. Ist man gut zu Fuß, kann man die Strecke von Runkel nach Villmar, oder umgekehrt, sehr gut per Pedes bewältigen, da sie praktisch gar keine Steigung hat. Das stärkt Herz und Kreislauf, aber ist nicht in fünf Minuten erledigt. Der motorisierte, individuelle Personenverkehr verläuft, wie schon geschrieben, auf der gegenüberliegenden Lahnseite über die L3063 und den Bodensteinerlai. Dadurch kann man auf dem „Leinpfad“ zwischen Runkel und Villmar viel sicherer laufen und Rad fahren. Übrigens kann man die Strecke auch sehr schön auf dem Wasser entlang mit einem Boot erkunden, da die Lahn kaum Strömung vor Runkel hat und sehr ruhig fließt. Es gibt diverse Unternehmen in der Region, die sich auf Bootstouren spezialisiert haben. Auf dem Wasser wird es möglich, dem König-Konrad-Felsen sehr nahe zu kommen. Das Anlanden oder gar Klettern ist allerdings streng verboten. Denn rund um das Denkmal König Konrads befindet sich das Naturschutzgebiet „Bodensteinerlai“, welches einzigartige Felsfluren mit überregional bedeutsamen Pflanzenarten beherbergt. Und die dürfen nicht gestört werden.

Macht man über die Wherley einen Abstecher zum „Steilhang“ gegenüber des König-Konrad-Felsens, kann man, wenn man dem vorgewiesenen Wanderweg folgt, zu einer hübschen Aussichtsplattform gelangen. Vom Wanderweg führt ein Pfad durch ein Stück Wald etwas unterhalb zu einer Sitzbank und man hat quasi „Logenblick“ auf den Bodensteinerlai mit König-Konrad-Denkmal.

Raps
An der Wherley

Der Blick wird hier besonders auf die Lahn und den dahinterliegenden Wald gelenkt, durch den die König-Konrad-Straße führt. Diese kann man aber nicht sehen, weil dichtes Laubwerk den Blick abhält. So verfügt man an dieser Stelle über eine einzigartige, romantische Aussicht für welche ein Besuch auf jeden Fall lohnenswert ist.

Auszug aus dem „Runkeler Anzeiger“ von 1894:

Bei Gelegenheit der Weihe und Enthüllung des Denkmals führte Dekan Ibach von Villmar unter anderem folgendes aus:

„Nicht ein Fest irgend eines Vereins, nicht ein Fest von bloß lokaler Bedeutung, sondern ein Fest von allgemein deutschem Interesse ist diese Enthüllungsfeier, die uns alle hier zusammengeführt hat.

Wir stehen hier an dem Denkmale des deutschen Königs Konrad I aus fränkischem Stamme, der in den Jahren 911 – 918 das deutsche Reich regiert und sich durch den letzten Akt seines tatenreichen Lebens unsterblich gemacht hat, in dem er die seither auf dem Haupte der Frankenkönige und dem Hause „Karls des Großen“ ruhende deutsche Reichskrone auf das Haupt der Sachsenherzöge gelegt, dadurch Deutschland bleibend von Frankreich getrennt und dem Grund zum eigentlichen deutschen Reich gelegt hat.“

Das Jerusalemer Tor in Büdingen

Bei strahlendem Sonnenschein traf ich an einem Freitag im Juni vor dem im Volksmund genannten „Jerusalemer Tor“ in Büdingen ein (sein offizieller Name ist „Untertor“) und war von diesem Bauwerk gleich angetan. Die Stadt ist bekannt durch ihre besterhaltende mittelalterliche Altstadt samt Schloss. Aber von ihrer Schönheit ahnte ich nichts. Da ich mich an der westlichen Festungsmauer befand, war ich in der sogenannten Vorstadt und an sich schon in der guten Ausgangsposition, fußläufig die Innenstadt mit dem historischen Marktplatz zu erreichen. Ich gestehe, dass ich ziemlich unvorbereitet losgezogen bin. Denn mein eigentliches Ziel war ein Museum in der Stadt. Umso angenehmer empfand ich den „Überraschungseffekt“ hinsichtlich der Architektur und dem Charme der Altstadt. Und die Stadtmauer von Büdingen ist schon für sich beeindruckend! Im Mittelalter aber auch in der Neuzeit mussten viele Städte Schutzwälle und Mauern errichten, um sich gegen feindselige Übergriffe zu schützen. Möglicherweise war in dem Graben vor dem Tor ursprünglich mal Wasser gewesen. Heute liegt er allerdings trocken. Eine steinerne Brücke überwindet die Barriere und führt von der Straße der Vorstadt durch das Tor hindurch hinein in die Altstadt. Ich habe in Hessen übrigens noch nie ein vergleichbares Bauwerk gesehen. Der Überlieferung nach wurde das Tor als Kopie eines in seiner Zeit tatsächlich existierenden Stadttores in Jerusalem erbaut. Dass es „Jerusalemer Tor“ genannt wird, kann ich gut nachvollziehen. Denn an der Brüstung zieren, einer Krone gleich, wunderschöne, steinerne Ornamente beide Türme, die das Tor bewachen. Die um 1500 erbaute, mittelalterliche Doppelturmanlage mit Stadttor, befindet sich – wie die ganze Stadtmauer heute – in einem sehr gut restaurierten Zustand. Und es besitzt durch seine Bauweise einen orientalischen Charakter. Die steinernen Wasserspeier in Löwenform komplettieren das Bild. Später erfuhr ich, dass die Bezeichnung „Jerusalemer Tor“ wohl von religiös verfolgten Menschen stammt, die von den Büdinger Einwohnern im 18. Jahrhundert aufgenommen wurden um sie vor weiterer Verfolgung zu schützen. Für die gläubigen Flüchtlinge der damaligen Zeit muss die Stadt wie ein himmlischer Zufluchtsort erschienen sein. Und so gaben sie dem imposanten Tor den Namen der heiligen Stadt Jerusalem.

Die Lahn – der vertraute, geheimnisvolle Fluß

In der Literatur schwanken die Angaben zu ihrer Wegstrecke zwischen 242 und 245 Kilometer – die Lahn entspringt in den Bergen des südlichen Rothaargebirges am Lahnkopf in Nordrhein – Westfalen. Nach ungefähr 25 Kilometer erreicht sie ungestüm zwischen Bad Laasphe und Biedenkopf die Grenze zu Hessen um etwa 160 Kilometer später in der Nähe von Limburg und Diez nach Rheinland – Pfalz zu gelangen. Ihre letzten 57 Kilometer legt sie ruhig und besonnen zurück, um bei Lahnstein in den Rhein zu münden. Auf ihrem Weg zum Rhein durchläuft sie eine abwechslungsreiche, teilweise sehr idyllische und romantische Landschaft. Mitunter urwüchsig, häufig von Menschenhand gebändigt, lassen sich mit der Lahn viele Begriffe assoziieren: vom Erz, Wald und Wasserkraft, von Straßen, Eisenbahnen, Furten, Burgen und Schlössern, von Bachforellen, Wanderern und Paddlern, von Marmor, Kirchen, Klöstern und so fort, weiss sie allerlei Geschichten zu erzählen, hat sie so viel im Laufe der Jahrhunderte erlebt. Lassen sie sich entführen zu einer Reise an die Lahn mit ihrer reichhaltigen und abwechslungsreichen Geschichte und den vielen Erzählungen, wovon nur ein ganz winziger Teil nach und nach von Der Chatte hier festgehalten werden können.

Verlaufskarte Lahn

Im Quellbereich urwüchsig, wird sie bis zum Mündungsbereich immer romantischer. So schön, so abwechslungsreich ist die Lahn, genauso reizvoll, wie die vielen historischen Schlösser und Burgen und die geschichtsträchtigen Landschaften, die sich in ihrer Nähe wohl fühlen. Loganus, Logana, Lanus oder Loyn, wie sie auch in alten Urkunden genannt wurde, zählt heute „zu den schönsten und beliebtesten Wanderflüssen Deutschlands“. So ist zumindest auf vielen Webseiten und Werbebroschüren rund um die Lahn zu lesen. Mit seinen Hügeln und Tälern, Auen und Wiesen, den Städten und Dörfern ein richtiger Tourismusmagnet also. Aus eigener Erfahrung kann ich dem allerdings nur zustimmen. Die Lahn durchfließt drei Bundesländer und beginnt in Nordrhein-Westfalen, wo sie im Lahnhof bei Nenkersdorf, einem Stadtteil von Nethphen im südlichen Teil des Rothaargebirges entsteht. Danach durchfließt sie Hessen über die Landkreise Marburg-Biedenkopf, am Vogelsbergkreis vorbei (von dort fließt der Lahn weiteres Wasser zu durch die Ohm, ihr längster Nebenfluß), Kreis Gießen, Lahn-Dill Kreis, Kreis Limburg-Weilburg und mündet schließlich in Rheinland-Pflaz bei Lahnstein, einer Stadt im Rhein-Lahn-Kreis in den Rhein.
Schon zur Zeit der Kelten lebten dort die Menschen. Unzählige kleine und große Herrscher hatten zu bestimmen. Fürstbischöfe, Könige, Grafen, Fürsten, Freiherren und alle möglichen Varianten der Adelstitel spannten vom frühen Mittelalter an ihr verstricktes Netz aus Landbesitz, gepaart mit zahllosen Schenkungen, Verheiratungen, Vererbungen und Ämterwechseln bis in die heutige Zeit hinein. So entstanden viele romantische Burgen und Schlösser, einhergehend mit der vielfältigen und verschiedenartigen Landbevölkerung sind sie ein Teil der Gegend. Die Zeit der Industrialisierung und letztlich unsere Gegenwart prägen abermals das Gesicht der Lahn und seiner Landschaft. So sind viele Sonderheiten und Entwicklungen in der Geschichte entstanden, die über die Landschaft an der Lahn auch hinausgewachsen sind. Wer zum Beispiel weiß heute noch, dass der Begriff „Selterswasser“ einer der ältesten Markenartikel der Welt darstellt und seit Jahrhunderten schon global bekannt ist? Kaisern, Königen und Adligen in aller Welt diente das Wasser, welches an der Lahn gewonnen wird, als Erfrischung! Oder, es sei an eine andere Quelle gedacht, bekannt als „Staatlich Fachingen“, deren Produkt eine Art Rolls – Royce unter den Mineralwässern darstellt. Als „Heilwasser“ wurde es global vertrieben und gerne konsumiert. Völlig naturbelassen, also nicht enteisend oder mit Kohlensäure versetzt, wird das gute Wasser noch in der Gegenwart abgefüllt und bewirkt mit 42 Mineralstoffen und Spurenelementen naturbelassenes Wohlergehen in höchster Bio – Qualität!

Ein wahrer Zauber umfängt mich, wenn ich im urtümlichen, ja fast „wilden“ Quellbereich stundenlang umherstreife und immer wieder neue Landschaft sehe. Sogar einem Hirsch mit großem Geweih bin ich auf einem der Wanderungen begegnet, allerdings hielten wir beide respektvoll Abstand voneinander. Das ist sehr eindrucksvoll. Es ist schön, in den weit mehr besuchten Abschnitten weiter lahnabwärts so vielen freundlichen Menschen zu begegnen. Da kann man sich schon mit dem ein oder anderen längere Zeit „festquatschen“ und manch interessante Bekanntschaft machen. Doch ich schweife ab. Nicht nur schön und enorm abwechslungsreich ist die Lahn und ihre Landschaft, sondern auch sehr geschichtsträchtig: haben doch zahlreiche Fehden und Gebietsstreitigkeiten rund um die Lahn ihre Anwohner immer wieder auf Trab gehalten. Sogar eine ganze Nation besitzt eine Verbundenheit mit der Lahn: Wilhelm, regierender Prinz von Oranien (ab 1544, nachdem das Fürstentum Oranien, welches in Südfrankreich lag, 1530 zu Nassau kam) war der Urvater und Begründer des Hauses Oranien-Nassau. Seit 1815 stellt diese Linie die Königinnen und Könige der Niederlanden! Insgesamt zieht es die Niederländer auch zu den Dillenburgern, welche ihren Hauptsitz an der Dill, einen der zahlreichen Zuflüsse zur Lahn hatten. Die ursprüngliche Nassauer Linie, welche sich nach ihrer Stammburg Nassau an der Lahn (erbaut um 1125) benannte, wurde nämlich den Erzbischöfen aus Trier und Mainz, dadurch, dass sie ihren Besitz schnell vergrößerten konnte, zu mächtig. Die erste Teilung des Hauses Nassau erfolgte aufgrund von Erbsteitigkeiten zwischen Otto I. von Nassau und seinem Bruder Walram und wurde mit einem Teilungsvertrag 1255 schließlich beigelegt. Walram erhielt das Land südlich der Lahn mit Weilburg und Idstein. Graf Otto I. erhielt den nördlichen Landesteil, woraus die Linie mit Siegen, Dillenburg, Herborn und Haiger hervorging, welche schließlich durch Heirat und Erbschaft so mächtig wurde, dass diese ihre Besitzansprüche auf die heutigen Niederlande ausdehnen konnten. Nicht nur in der deutschen, sondern auch in der europäischen Geschichte haben diese Menschen eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Ach ja, kehren wir nochmals an den Ursprung der Lahn zurück. So richtig zweifelsfrei wie die in ihrer Nähe gelegenen Quellen von Sieg und Eder, lässt sich die Lahnquelle nicht definieren, es ist im Grunde aussichtslos, sie zu suchen. Ursprünglich glaubte man, sie in einem (inzwischen versiegten) Rinnsal im Keller des Lahnhofes bei Netphen im Rothaargebirge gefunden zu haben. Darauf hin taufte man ihn Lahnquelle.
Da es inzwischen keine Quelle im Keller mehr gibt und auch sonst keine historischen oder volkstümlichen Belege vorliegen, die einen der zahlreichen, in der Nähe entspringenden Rinnsale als Ersatzquelle definieren können, einigte man sich schließlich darauf, den unterhalb des Lahnhofs gelegenen Teich, in dem zahlreiche Rinnsale zusammenlaufen, offiziell als Lahnquelle zu bezeichnen. Hier, in ca. 630 Meter über NN beginnen also, die Wässerchen der Lahn ihren Weg ins Tal zu suchen. Und genau dies macht aus dem Rinnsal, aus dem Teich, welcher heute Lahnquelle gerufen wird, den imposanten Strom, der uns seit Menschengedenken so herrlich begleitet. Erst durch die zahlreichen Zuläufe wird die Lahn auf ihrem Weg ins Tal von einem Rinnsal über ein Flüsschen zum Fluss und schließlich zur Lahn. Die wichtigsten Zuläufe seien an dieser Stelle genannt: Feudinge, Ilse, Banfe, Laasphe, Perf, Dautphe, Wetschaft, Ohm, Allna, Zwester Ohm, Salzböde, Lumda, Wieseck, Bieber, Kleebach, Wetzbach, Dill, Solmsbach, Iserbach, Ulmbach, Kallenbach, Weil, Kerkerbach, Emsbach, Elbbach, Aar, Dörsbach, Gelbach, Mühlbach, Emsbach, die Aufzählung ließe sich noch weiter fortsetzen.

Das 50er-Jahre-Museum in Büdingen

Schon länger hatte ich mir vorgenommen, das 50er-Jahre-Museum in Büdingen zu besichtigen. Nun war es endlich soweit. Das Museum befindet sich in einem imposanten, historischen Gebäude mitten am Marktplatz. Durch eine große Holztüre in der Giebelseite des Hauses gelangt man nach zwei, drei steinerenen Treppenstufen in das Innere. Aus einer originalen Jukebox erklang beschwingte Musik der 50er/60er Jahre. Ein freundlicher Mitarbeiter des Museums begrüßte mich. Die Besichtigung begann an mehreren Informationstafeln, welche die Umstände schilderten, als gut vier Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges am 23. Mai 1949 durch die Verkündung des zuvor entstandenen Grundgesetzes die Bundesrepublik Deutschland (BRD) entstand.

Wenige Monate danach wurde noch im selben Jahr, am 7. Oktober 1949 auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone die Deutsche Demokratische Republik (DDR) gegründet. Die „Fünfziger Jahre“ in beiden deutschen Staaten waren stark geprägt von Wiederaufbau, aber auch von politischen Entscheidungen und Einstellungen in Ost und West. Anhand der Vielzahl von schönen Exponaten und Ausstellungstücken kann man sehr schön erkennen, wie die Menschen sich nach der entbehrungsreichen Zeit durch Krieg und Zerstörung nach „schönen“ Dingen sehnten. Einerseits erklärt sich, dass für die einen die Fünfziger Jahre als „gute alte Zeit“ erscheint. Und doch ist sie aus heutiger Sicht, besonders für jene, welche die Zeit nicht selbst erlebt haben eine Zeit der gesellschaftliche wie auch politischen Zwänge und des spießigen Muffs. Das Museum ist beeindruckend. Die Ausstellungsräume erstrecken sich über mehrere, verschieden große Räume durch das ganze Gebäude und es sind unzählige, liebevoll arrangierte Exponate in allen Größen und Formen im Original zu bewundern. Ob es nun Jukeboxen, Sessel, Tische, Stühle, oder aber auch Geschirr, Kleidung, Küchengeräte, Fotoapparate, Kleidung und so weiter ist, alles wirkte in gutem Zustand. Obwohl so manches Ausstellungstück sicherlich auf ein bewegtes „Leben“ zurückblicken kann.

Man erfährt viel über die Zeit der Fünfziger Jahre. Selbst ein Kramladen ist vollständig vorhanden und kann besichtigt werden. Ein Tag reicht gar nicht aus, um alles zu sehen und zu begreifen. Daher werde ich einen zweiten Besuch durchführen. Es lohnt sich wirklich, hier einzukehren und die Zeit unserer Großeltern und Eltern auf uns wirken zu lassen. Egal ob alt oder jung, jeder kommt in dem Museum auf seine Kosten!

Und auch sonst: Büdingen ist mit seinem tollen Schloss und seinen verwinkelten Straßen und Gassen eine Reise wert.

Ich komme wieder!