Der Schwanenteich in Gießen

Neuer Teich

Die Ursprünge des Parks gehen auf die Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Damals wurde der Schwanenteich in dem vorherrschenden Zeitgeist angelegt: militärisch exakt und gradlinig. Seine Ausmaße sind beeindruckend: 640 Meter Länge und 60 Meter Breite. Weil der 9. Hessentag in Gießen 1969 stattfinden sollte, wurde die Anlage im Vorfeld erweitert. Hinzu kam das Areal mit dem 6 Hektar großen Neuen Teich im Zentrum. Der S-förmige Charakter des Gewässers führt zu der verspielten Wegeführung um ihn herum, der noch heute die Parkbesucher begeistert. Durch die beiden Flüsse Lahn und Wieseck, die bei Gießen zusammentreffen, wird der grüne Charakter der Stadt unterstrichen. Wie ich in meinem Artikel über den Botanischen Garten schon erwähnt habe, war Gießen seit dem 16. Jahrhundert zu einer riesigen Landesfestung mit mächtigen Befestigungsanlagen ausgebaut worden. Deren Umfang war so groß, dass erst ab 1850 die Stadt an sie heranreichte. Gießen ist historisch gewachsen im 19. Jahrhundert als eine „Gartenstadt“ bekannt geworden, mit zahlreichen, üppigen Grünflächen inmitten der damaligen Stadtgrenzen. Denn mit dem 1805 beginnenden Abtragen der Bastionen und Wälle der Landesfestung und dem Zuschütten der dazugehörigen Gräben aus dem 16. Jahrhundert wurden die daraus neu entstehenden Flächen begrünt. Es entstanden viele private Obst- und Gemüsegärten, auch zahlreiche Lustgärten wurden angelegt. Für die Schulen wurden eigene Unterrichtsgärten geschaffen. Fast alle Gründerzeitvillen waren von parkähnlichen Grünflächen umgeben. Die sind in der Gegenwart weitgehend verschwunden, weil die Stadt immer dichter besiedelt ist. Nach dem verheerenden, 2. Weltkrieg wurde Gießen, zuvor bei Luftangriffen durch aliierte Bomben schwer getroffen, schnellstmöglich neu aufgebaut und die zahlreichen Gärten und Grünflächen verschwanden weitgehend. Doch dieser Park mitten in der gegenwärtigen Stadt zeugt von der floralen Vergangenheit, die Gießen einmal innehatte.
Die schöne Landschaft war auch eine der Kernzonen der Landesgartenschau, die 2014 in Gießen ausgerichtet wurde. Im Zuge der Landesgartenschau ist in der Wieseckaue viel gebaut und erweitert worden. Dabei sind auch einige Spielereien entstanden. Dazu gehören unter anderem die mehr oder weniger praktikablen Sitzgelegenheiten, die von den Partnerstädten gespendent und im Park verteilt aufgestellt wurden.
Sportbegeisterte kommen am Schwanenteich auf ihre Kosten. So kann man beispielsweise im Stangenpark sehr gut mit seinem eigenen Gewicht trainieren. Dies sollten allerdings schon geübte Sportler tun. Ungeübten Anfängern wird empfohlen, im Vorfeld zu trainieren. Es wird allerdings niemand schief angesehen, wenn er es zum ersten Mal vor Ort ausprobiert.
Es gibt auch einen „Seniorenspielplatz“ mit leichten Übungsgerätschaften, die gerne von den Besuchern genutzt werden. Überhaupt bieten die vielen freien Wiesenflächen gerade für Kinder viel Platz zum Herumtoben und Spielen. Einem gemütlichen Picknick zu mehreren steht auch nichts im Wege. Jugendliche nutzen gerne den neuen Skate-Park für Fun und Action. Es gibt Spielflächen für allerlei Ballsportarten, wie z. B. Basketball. In den Sommermonaten hat bei schönem Wetter eine Strandbar geöffnet und lädt dazu ein, mit einem kühlen Getränk die Seele baumeln zu lassen. Silber Weiden (Salix alba) krönen optisch die Wegführung der Anlage.

Schwanenteich
Sicht auf tolle Landschaft am Schwanenteich

Jetzt, im Herbst, umgibt den Park die Aura eines „Indian Summers“, denn die zahlreichen Bäume und Sträucher leuchten besonders intensiv in buten Farben, wenn die Sonne scheint. Die beiden Seen verbinden sich harmonisch mit der ihr umgebenden Landschaft. Man hat dieser Tage den Eindruck, dass halb Gießen im Park unterwegs ist, um ihn aus dem laufenden Jahr zu verabschieden, bevor er in den Winterschlaf geht. Die Besucher und Bewohner von Gießen nehmen den Park und seine Angebote gerne an.

Die Wieseckaue wurde als Europäisches Schutzgebiet für Tiere und Pflanzen von europaweiter Bedeutung ausgewiesen (Fauna-, Flora, Habitat-Gebiet und Vogelschutzgebiet). Das verwundert auch nicht, denn die sie zeigt sich als weitläufige Auenlandschaft mit blumenbunten Wiesen. Vom Menschen geprägt wurde seit Jahrhunderten diese Landschaft durch eine extensive Landwirtschaft. Artenreiche Mähwiesen mit zahlreichen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten haben sich im Laufe der Zeit durch Menschenhand entwickelt und sind bis heute erhalten, bedingt durch die traditionelle Grünlandbewirtschaftung mit geringem Nährstoffeintrag. Dadurch kommen europaweit gefährdete Schmetterlinge in dem Gebiet vor, wie zum Beispiel der Blauschwarze Wiesenknopf-Ameisenbläuling (ein Schmetterling), die in durchaus großen Beständen in den nicht zu nassen Wiesenbeständen zu Hause sind. Die Wieseckaue ist ein Vogelschutz und FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) im europäischen Schutznetz NATURA 2000.
Über lange Zeiträume wurden von den örtlichen Landwirten die Wiesen zum Erzeugen von Heu in der Wieseckaue lange Zeit genutzt. Dadurch beherrbergen heute diese Flächen eine Vielzahl verschiedener Pflanzengesellschaften, mit stellenweise sehr artenreichen Blumenwiesen, bestehend aus bis zu 50 verschiedenen Gräsern und Kräutern. Das sind heute seltene Juwelen in der Landschaft.
Diese Flächen sind nur zu erhalten, wenn sie weiterhin als Heuwiesen genutzt, nicht gedüngt und nicht zu intensiv beweidet werden. Aus diesem Grunde ist es auch verboten, von Anfang April bis Ende Juli durch die unter Schutz stehenden Wiesen (so gekennzeichnet) zu gehen und die Hunde müssen an der Leine geführt werden. Denn es brüten, obwohl so zentral in der Stadt befindlich, Wiesenvögel am Boden in den Feuchtwiesen der Wieseckaue. Der Lebensraum soll erhalten bleiben für die bedrohten Wiesenvögel mitten in der schönen Stadt Gießen.

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