Der Botanische Garten in Gießen

Frühbeet

Zwei Jahre nach der Universitätsgründung in Gießen durch Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt überlies dieser der damals nach ihm benannten Universität einen kleinen Lustgarten mit einer Fläche von etwa 1200 Quadratmetern, direkt hinter dem Alten Schloss und dem Kollegiengebäude am Brandplatz (das Gebäude existiert heute nicht mehr). Im Verständnis der damaligen Zeit war Botanik vor allem Heilpflanzenkunde. Und so war es der Mediziner und Botaniker Ludwig Jungermann (1572-1653), Angehöriger der Medizinischen Fakultät (diese gehörte von Anfang an zur Universität in Gießen), der dort einen Apothekergarten, einen „hortus medicus“ anlegte. 1720 entstand dort das erste Glashaus, das erst 1859 wieder abgerissen wurde. Für 1733 lässt sich zum ersten Mal die Bezeichnung „Botanischer Universitätsgarten“ nachweisen.
Weil die Stadt Gießen im 16. Jahrhundert Landesfestung war, wurden im enormen Umfang zwischen 1560 und 1570 Verteidigungsbauten in Form der seinerzeit üblichen Wälle und Bastionen zu einer mächtigen Befestigungsanlage ausgebaut. Sie waren so umgangreich und groß, dass die Stadt bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts die Fläche noch nicht bebaut hatte. Der Botanische Garten liegt am östlichen Rand des ehemaligen Festungswalls und im heutigen Anlagenring von Gießen lässt sich der Verlauf der alten Stadtbefestigung noch verfolgen.

Als „Gartenstadt“ wurde Gießen in den
Die Forstwissenschaft wurde in Gießen durch Friedrich Ludwig Walther (1759-1824) begründet und zu diesem Zweck richtete er 1802 östlich des damaligen Botanischen Gartens einen Universitätsforstgarten ein. Als Anfang des 19. Jahrhunderts die Festungsbauten und -wälle abgerissen und geschleift wurden, gliederte man die gewonnene Fläche ein. Als der Forstgarten 1825 an den Schiffenberg umsiedelte, verblieb der prächtige Baumbestand dem Botanischen Garten. 1926 wurden die ursprünglich getrennten Anlagen zu einer zusammen gelegt und der Garten erhielt seine noch heute existierende Fläche von etwa 3 Hektar. Detaillierte Informationen zur Geschichte des Botanischen Gartens kann man im Text von Holger Laake, dem heutigen Technischen Leiter des Botanischen Gartens auf der Webseite der Universität Gießen hier nachlesen.
Im Laufe der letzten 400 Jahre ist viel geschehen, was dem Botanischen Garten in seiner heutigen Form seine Gestalt gegeben hat. Seine Schönheit sucht seinesgleichen. Besonder beeindruckt mich der alte Baumbestand und der waldähnliche Charakter. Heute bewegt man sich durch die Innenstadt von Gießen über Stein und Asphalt, ist umgeben von massiven und hohen Gebäuden. Und plötzlich befindet man sich in einer völlig andren Welt, der Übergang ist so unmittelbar, dass es mich jedesmal aufs neue erfreut, wenn ich den Garten besuche. Er besitzt etwas zauberhaftes, fast schon mystisches. Und das, obwohl er sich der Naturwissenschaft verschrieben hat. Aber gerade dieser Spannungsbogen macht ein Aufenthalt dort zu etwas ganz besonderes. Besonders in Erinnerung bleibt mir die „Gartenkatze“, ein schwarzer Vertreter der Feloidea. Ich begegnete ihr unvermittelt, als ich mir ein paar Heilpflanzen genauer ansah. Plötzlich war sie neben mir und legte sich auf den Weg und begann sich zu strecken. Ich war wirklich überrascht! Beobachtet habe ich das Tier schon ein paar Male, aber sie freiwillig neben mir zu wissen, überraschte mich schon. Ich durfte sie sogar streicheln. Seitdem halte ich immer wieder nach ihr Ausschau. Sie wählt sich „ihre“ Menschen aus, aber sie ist immer freundlich zu allen. Manchesmal liegt sie in der Sonne zu Füßen eines Studenten oder einer Studentin, die auf einer der zahlreichen Besucherbänke sitzt und ein Buch liest oder mit seinem Smartphone textet. Dumpf dringt der Lärm der Autos vom Gießener Stadtring herüber. Doch im Botanischen Garten ist man davon gefühlt so weit weg. Ein schöner Garten, der immer einen Besuch wert ist.
Detaillierte Informationen zur Gestaltung des Botanischen Gartens können sie hier finden.
Seit Sommer dieses Jahres werden die alten Gewächshäuser abgerissen und in den nächsten zwei Jahren wieder aufbebaut. Das wird dem Garten ein neues Gesicht geben. Auch wenn ich heute weiss, dass ich – aus beruflichen Gründen – mein geliebtes Hessen demnächst verlassen werde, so ist es sicher, dass ich zurückkehren werde, um das neue Gesicht des Gartens sehen zu können. Darauf freue ich mich schon!

 

1 Kommentar

  1. Mal sehen ob ich hier aus jedem hessischen Landkreis bzw. jeder hessischen kreisfreien Stadt im Blog eine Sehenswürdigkeit finden werde, die ich schon einmal besucht habe ???

    Hiermit abgehakt…
    Landkreis: Gießen
    Stadt: Gießen
    Sehenswürdigkeit: Botanischer Garten

    Gruß Martin Klenner

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