Der Marktplatz von Alsfeld

Bei strahlenden Sonnenschein besuchte ich Alsfeld und fest hatte ich mir vorgenommen, den berühmten Marktplatz im historischen Stadtzentrum zu besuchen. Schon die ersten Fachwerkhäuser beeindruckten mich aufgrund ihrer Vielfalt und Farbenfreudigkeit. Jedes Bauwerk ist ein Unikat, keines gleicht dem anderen und doch verbinden sie gemeinsame Elemente und formen das Stadtbild. Eng sind die Straßen, wie es früher halt übliche war, wurde gebaut und jede Ecke ausgenutzt. So wechseln sich Gassen und Straßen ab, bis man zum Marktplatz kommt, der wirklich beeindruckend ist. Eine freie Fläche, rechteckig und umgeben von historischen Bauwerken. Besonders sticht die Walpurgiskirche und das über die Stadt Alsfeld hinaus berühmte Rathaus von Alsfeld hervor. Aber es sind nicht diese Bauten alleine, die den Charakter des Stadtzentrums formen, nein, es sind die liebevoll restaurierten Gebäude und die freundlichen Menschen, denen man begegnen kann. Mein Auge sieht sich gar nicht satt an den reichhaltigen Formen und Farben der Bauwerke. Die Stadt ist bekannt für ihre geschlossene, historische Bebauung. Zahlreiche Besucher nutzen, wie ich ja auch, das schöne Wetter und sind an diesem schönen Tag im Mai unterwegs. Ich kann verstehen, warum sich so viele Besucher in Alsfeld verlieben, warum so mancher dort sich nieder gelassen hat. Der Ort strahlt Atmosphäre aus, hat nichts eingebüßt von seinem ursprünglichen, ureigenen Charme. Besonders, wenn man auf dem Marktplatz steht, kann man dies spüren. Um den Marktplatz als Zentrum verläuft in einiger Entfernung die aus strategischen Gründen nahezu kreisförmige Stadtmauer, welche heute so nicht mehr existiert. Denn in der jüngeren Vergangenheit wurden die Steine der Stadtmauer als Baustoff für neue Häuser verwendet. Die Fachwerkhäuser sind in Stockwerkbauweise (oder auch „Rähmbauweise“ genannt) errichtet. Das historische Rathaus ist ein Wahrzeichen der Stadt und wurde in zwei Bauphasen im frühen 16. Jahrhundert errichtet, wobei erst der markante, steinerne Unterbau und später der Fachwerkaufbau errichtet wurde. Der steinerne Unterbau wurde lange Zeit als Markthalle genutzt. Das sogenannte Weinhaus befindet sich in unmittelbarer Nähe und an ihm befindet sich noch heute der Pranger in Form eines schließbaren Eisenringes, der früher den Regelbrechern um den Hals gelegt wurde. Dadurch waren die Delinquenten dem Spott und der Missachtung der früheren Einwohner ausgesetzt. Gut, dass es so etwas heute nicht mehr gibt und wir unsereren Rechtsstaat haben. Obwohl ich sicher bin, dass so mancher sich manchmal für bestimmte Regelbrecher wieder einen solchen Pranger wünscht. Nun ja, ich schweife ab, wenn ich schreibe, dass dies heutzutage im Internet seine Widerkehr feiert, nur halt nicht mehr mit einem Eisenring um den Hals gelegt. Übrigens weist der zum Pranger gehörige Trittstein deutliche Gebrauchsspuren auf…
Das Weinhaus ist mit einem schönen Staffelgiebel ausgestattet worden und es steht heute unter Denkmalschutz. Die Verwaltung der Stadt Alsfeld nutzt es als Hauptsitz.
Das älteste Fachwerkhaus der Stadt ist direkt an das Weinhaus angebaut und wurde – im Gegensatz zum Weinhaus, dass aus massiven Stein errichtet wurde – in der wohlbekannten Rähmbauweise errichtet. Direkt dahinter befindet sich die aus dem 13. Jahrhundert stammende, evangelische Walpurgiskirche. Der Kirchenturm stürzte einmal ein und wurde wieder neu errichtet und zwar erinnert eine Sandsteintafel am Turmdurchgang an den Einsturz am 25. Januar 1394. In dem Turm lebte in früherer Zeit ein Türmer mit seiner Familie. Seine Aufgabe war es, die Uhrzeit zu schlagen, aber auch die Bewohner von Alsfeld vor herannahmenden, feindlichen Horden und Feuer zu warnen. In dem Turm befindet sich auch eine Art Verließ aus dem 16. Jahrhundert, welches für störende Gottesdienstbesucher verwendet wurde. Auch ungehorsame Schüler der gegenüberliegenden Lateinschule wurden hier zur Maßregelung eingesperrt. Die sieben Glocken, über welche die Walpurgiskirche verfügt, erklingen als vierstimmiges Hauptgeläut zum Gottesdienst an Sonntagen und ist in seiner heutigen Form seit 1617 nicht mehr verändert worden. Seit 2006 ertönt täglich mittags ein Glockenspiel.

Es existieren einige Legenden zur Entstehung des Stadtnamens. So erzählt man sich, dass der Landgraf von Hessen/Thüringen zu Beginn des 13. Jahrhunderts in den Vogelsberg gereist sein soll. Bei einem seiner Ausritte gelangte er auf den Homberg, das ist ein Hügel ganz in der Nähe von Alsfeld. Es wird berichtet, dass dort ein starker Wind wehte, so stark, dass der Landesherr immer wieder seine Kopfbedeckung vom Haupte geblasen bekam. Und so sprach er zu seinen Begleitern: „Als fällt mir der Hut vom Kopp!“. Der Nicht-Hesse muss wissen, dass im mittelhessischen (gleichzusetzen mit oberhessischen „Platt“) das Wort „Als“ für „immerfort“, „andauernd“ oder „immerwieder“ steht. Aus „Als fällt…“ wurde dann Alsfeld. „Kopp“ steht im mittelhessischen übrigens für „Kopf“. Das ist eine nette Anekdote aber sicherlich nicht wirklich die Herkunft der Ortsbezeichnung. Aber mir gefällt die Geschichte und ich erzähle sie mit einem Schmunzeln auf meinen Lippen.

2 Kommentare

  1. Ich liebe genauso Ausflüge in Hessen…

    Alsfeld ist eine wunderschöne Fachwerkstadt. Ich war dort schon öfters. Besonders mag ich dort den Haushaltswarenladen Carl Ramspeck (Er versprüht einen wunderbaren Charme von anno dazumal ;).) am Marktplatz und das Museum Märchenhaus mit seinen liebevoll gestalteten Märchenzimmern und der Puppenstubensammlung. Ich habe auch schon das Regionalmuseum besucht.

    Gruß Martin Klenner

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  2. Mal sehen ob ich hier aus jedem hessischen Landkreis bzw. jeder hessischen kreisfreien Stadt im Blog eine Sehenswürdigkeit finden werde, die ich schon einmal besucht habe ???

    Hiermit abgehakt…
    Landkreis: Vogelsbergkreis
    Stadt: Alsfeld
    Sehenswürdigkeit: Altstadt

    Gruß Martin Klenner

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