Die heilige Elisabeth in Marburg

Schon bei der Anreise kann man die beiden markanten Kirchtürme sehen, wenn man sich Marburg nähert. Am Fuße der Altstadt liegt die Elisabethkirche. Sie wurde vom seinerzeit mächtigen und reichen Deutschen Orden im 13. Jahrhundert gebaut und als Ordenskirche ursprünglich der Jungfrau Maria geweiht. Die Bauzeit liegt zwischen 1235 (Baubeginn) und 1283 (Weihe). Die beiden mächtigen, 80 Meter hohen Türme benötigten bis zu ihrer Vollendung noch weitere 50 Jahre. Von Anfang an bestand die Absicht, mit der Erbauung der Kriche die 1235 heilig gesprochene Elisabeth von Thüringen zu ehren. Dies geschah unter maßgeblicher Förderung der Landgrafen von Thüringen. Das Bauwerk wurde als sogenannte Hallenkirche über dem Grabmal der heiligen Elisabeth von Thüringen errichtet und wurde damit zu einem bedeutenden Wallfahrtsort im Mittelalter. Besonders ist auch, dass die Kirche kunsthistorisch eine besondere Bedeutung hat, denn sie ist die erste, rein gotische Hallenkirche auf deutschem Boden. Bei einem Bildersturm im Jahr 1619 wurden die ursprünglichen Wandmalerein im Inneren leider zerstört und sind damit verloren gegangen.
In der Kirche befindet sich ein aus Sandstein gefertigter, gotischer Hochaltar, der aus dem Jahr 1290 stammt. Zahlreiche romanische und gotische Buntglasfenster zieren das Bauwerk und sind besonders beeindruckend. In dem sogenannten Elisabethfenster sind wichtige Stationen ihres Lebens dargestellt. In der Kirche sind spannungsvoll die Architekturepochen der Früh- und Hochgotik erlebbar. Das drückt sich gut aus in dem Verhältnis zwischen Kirche und Hochaltar.
Im Nordchor befindet sich die Grabstätte der heiligen Elisabeth. Nach ihrer Heiligsprechung wurden die Gebeine entnommen und in einem extra dafür angefertigten Schrein gebettet. Dieser stellt eine kunsthandwerkliche Kostbarkeit dar und kann in der Sakristei der Kirche betrachtet werden. Mit der Reformation sind die Gebeine allerdings entfernt worden.
Bis zur Reformation wurden die Landgrafen in der Elisabethkirche bestattet. Deren Grabmäler befinden sich im südlichen Chor, dem „Landgrafenchor“ und können dort besichtigt werden. Die Gebeine selbst befinden sich in den Fundamenten unter dem Chor. Alle dort bestatteten Menschen sind direkte Nachfolger der heiligen Elisabeth.
Im Nordturm befindet sich das Grab des früheren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg und seiner Ehefrau. Um zu verhindern, dass die Leichen in der ursprünglichen Ruhestätte im Tannenberg-Denkmal in Ostpreussen der Roten Armee in die Hände fallen, wurden die Särge in letzter Minute am 12. Januar 1945 in das Deutsche Reich nach Tühringen gebracht. Dort wurden sie durch Einheiten der US-Armee in einem Salzberkwerk entdeckt und nach Marburg überführt und schließlich in der Elisabethkirche beigesetzt.
Doch wer war die Frau, welche dieser Kirche ihren Namen gegeben hat?
Elisabeth von Tühringen, die heilige Elisabeth, ist eine Heilige der katholischen Kirche und gleichzeitig ist sie Landespatronin von Thüringen und Hessen. Sie ist die Tochter des ungarischen Königs Andreas II und wurde am 07. Juli 1207 in Ungarn geboren. Aus machtpolitischen Kalkül, ein für die damalige Zeit üblicher Vorgang des Adels, ohne Krieg führen zu müssen, den Einflussbereich zu erweitern, schon während ihrer Kindheit dem ältesten Sohn des Landgrafen Hermann von Thüringen versprochen. Sie heiratete 1221 in Eisenach Ludwig von Thüringen. Die Ehe war, so berichtet man, glücklich. Er unterstützte auch ihre aktive Hilfe für kranke und bedürftige Menschen und sie schenkte ihm 3 Kinder.
Elisabeth wandte sich zunehmend im Sinne der gegen Ende des 12. Jahrhunderts in Europa sich ausbreitenden, religiösen Armutsbewegung den hilfsbedürftigen Menschen in ihrem Land zu. Dies verstärkte sich, als Ludwig von Thürigen 1227 am Fünften Kreuzzug von Kaiser Friedrich II. teilnahm und mit umfangreichen Gefolge in das heilige Land aufbrach. Am 12. September 1227 starb Ludwig an einer Infektion in Ortranto. Der weltliche Priester Konrad von Marburg war von Ludwig vor seinem Aufbruch Richtung Jerusalem zum Beichtvater Elisabeths ernannt worden und wurde zusätzlich während der Abwesenheit Konrads zum Vormund Elisabeths. Dazu legte sie in der Eisenacher Katharinenkirche ein zweifaches Gelübte im Beisein ihres Ehemannes und Konrad ab. Nach dem Tode Ludwigs, welcher von der Familienmitgliedern in Eisenach gegenüber Elisabeth eine zeitlang verschwiegen wurde, brachen schwelende Konflikte mit ihrer Verwandschaft, den Hofbeamten und Vertretern des heimischen Adels aus, die Konrad aus machtpolitischen Kalkül für sich ausnutzte. Beonders schwer wog hier der Zugang Konrads über Elisabeth zu dem noch minderjährigen Nachfolger Ludwigs, seinem erstgeborenen Sohn Hermann. Dieser war zum Todeszeitpunkt des Vaters erst fünf Jahre alt.

Kathedrale
Die Elisabethkriche mit Nord- und Südturm. Ansicht von Südwesten

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Der Schwanenteich in Gießen

Die Ursprünge des Parks gehen auf die Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Damals wurde der Schwanenteich in dem vorherrschenden Zeitgeist angelegt: militärisch exakt und gradlinig. Seine Ausmaße sind beeindruckend: 640 Meter Länge und 60 Meter Breite. Weil der 9. Hessentag in Gießen 1969 stattfinden sollte, wurde die Anlage im Vorfeld erweitert. Hinzu kam das Areal mit dem 6 Hektar großen Neuen Teich im Zentrum. Der S-förmige Charakter des Gewässers führt zu der verspielten Wegeführung um ihn herum, der noch heute die Parkbesucher begeistert. Durch die beiden Flüsse Lahn und Wieseck, die bei Gießen zusammentreffen, wird der grüne Charakter der Stadt unterstrichen. Wie ich in meinem Artikel über den Botanischen Garten schon erwähnt habe, war Gießen seit dem 16. Jahrhundert zu einer riesigen Landesfestung mit mächtigen Befestigungsanlagen ausgebaut worden. Deren Umfang war so groß, dass erst ab 1850 die Stadt an sie heranreichte. Gießen ist historisch gewachsen im 19. Jahrhundert als eine „Gartenstadt“ bekannt geworden, mit zahlreichen, üppigen Grünflächen inmitten der damaligen Stadtgrenzen. Denn mit dem 1805 beginnenden Abtragen der Bastionen und Wälle der Landesfestung und dem Zuschütten der dazugehörigen Gräben aus dem 16. Jahrhundert wurden die daraus neu entstehenden Flächen begrünt. Es entstanden viele private Obst- und Gemüsegärten, auch zahlreiche Lustgärten wurden angelegt. Für die Schulen wurden eigene Unterrichtsgärten geschaffen. Fast alle Gründerzeitvillen waren von parkähnlichen Grünflächen umgeben. Die sind in der Gegenwart weitgehend verschwunden, weil die Stadt immer dichter besiedelt ist. Nach dem verheerenden, 2. Weltkrieg wurde Gießen, zuvor bei Luftangriffen durch aliierte Bomben schwer getroffen, schnellstmöglich neu aufgebaut und die zahlreichen Gärten und Grünflächen verschwanden weitgehend. Doch dieser Park mitten in der gegenwärtigen Stadt zeugt von der floralen Vergangenheit, die Gießen einmal innehatte.
Die schöne Landschaft war auch eine der Kernzonen der Landesgartenschau, die 2014 in Gießen ausgerichtet wurde. Im Zuge der Landesgartenschau ist in der Wieseckaue viel gebaut und erweitert worden. Dabei sind auch einige Spielereien entstanden. Dazu gehören unter anderem die mehr oder weniger praktikablen Sitzgelegenheiten, die von den Partnerstädten gespendent und im Park verteilt aufgestellt wurden.
Sportbegeisterte kommen am Schwanenteich auf ihre Kosten. So kann man beispielsweise im Stangenpark sehr gut mit seinem eigenen Gewicht trainieren. Dies sollten allerdings schon geübte Sportler tun. Ungeübten Anfängern wird empfohlen, im Vorfeld zu trainieren. Es wird allerdings niemand schief angesehen, wenn er es zum ersten Mal vor Ort ausprobiert.
Es gibt auch einen „Seniorenspielplatz“ mit leichten Übungsgerätschaften, die gerne von den Besuchern genutzt werden. Überhaupt bieten die vielen freien Wiesenflächen gerade für Kinder viel Platz zum Herumtoben und Spielen. Einem gemütlichen Picknick zu mehreren steht auch nichts im Wege. Jugendliche nutzen gerne den neuen Skate-Park für Fun und Action. Es gibt Spielflächen für allerlei Ballsportarten, wie z. B. Basketball. In den Sommermonaten hat bei schönem Wetter eine Strandbar geöffnet und lädt dazu ein, mit einem kühlen Getränk die Seele baumeln zu lassen. Silber Weiden (Salix alba) krönen optisch die Wegführung der Anlage.

Schwanenteich
Sicht auf tolle Landschaft am Schwanenteich

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Der Lahnhof im Rothaargebirge

Im Bereich der höchsten Stelle der Eisenstraße, fußläufig von der Lahnquelle entfernt und in der Nähe des Jagdbergs bei Netphen, kann man in einem für den öffentlichen Verkehr gesperrten Teil noch sehr gut den ursprünglichen, wohl auf das Mittelalter zurückgehenden Straßenbelag aus frontal in den Boden eingelassenen Steinplatten sehen, welche zur Wegbefestigung dienten. Die historische Eisenstraße über den Rothaarkamm war Teil einer schon zu keltischer Zeit genutzten, mittelalterlichen Messestraße von Köln nach Leipzig (auch Brabanter Straße genannt, weil sie sich bis nach Antwerpen erstreckte). Namensgebend ist, dass über diese Verbindung schon vor über 2000 Jahren die Eisenwaren aus Dietzhölztal, Schelder Wald und Siegerland in die großen Städte und Handelszentren der Zeit transportiert wurden. Bis ins Hochmittelalter existierte ein reger Handel mit Roheisen und fertigen Produkten über die Eisenstraße (Helme, Waffen, Messer, Harnische, etc.). Teilweise kann man in deren Nähe keltische Ringwallanlagen finden, welche beweisen, dass schon zu vorrömischer Zeit die Eisenstraße in der Region ein bedeutender Verkehrsweg war. Solche Straßen verliefen entweder auf dem Bergkamm oder hangparallel, da man die oftmals versumpften Täler und steilen Bergaufstiege am Talende vermeiden wollte.
In der Karolingerzeit, also im 8. und 9. Jahrhundert, war der Lahnhof ein fränkischer Gutshof und fungierte wohl als Verpflegungsstation an der Eisenstraße. Auch vertreten Historiker die Ansicht, dass der Lahnhof mit großer Wahrscheinlichkeit der königliche Verwaltungshof des mittleren und nördlichen Siegerlandes gewesen ist und somit auch im Falle der Anwesenheit des Königs und seines Gefolges, oder aber auch eines hochgestellten Geistlichen, die Ernährungs- und Versorgungsbasis der hohen Reisenden darstellte. Insofern spielte er auch eine gewisse (strukturgebende) Rolle für die Besiedelung des Siegerlandes während der Herrschaft des Frankenreiches. Indem Kolonisten teils freiwillig, teils gezwungen eingesetzt wurden, um an geeigneten Stellen den Wald zu roden, war der heutige Lahnhof eine Art „Verwaltungshof“ für eine Anzahl der angrenzenden, im Zuge der Besiedelung neu entstehenden Kolonistendörfern. In einer Urkunde vom 28. März 1336 ist dokumentiert, dass sich zu jenem Zeitpunkt die Grafen Otto von Nassau und Siegfried von Wittgenstein, der Domprobst Heinrich von Speyer und siegerländische Adlige im Lahnhof trafen, um Landespolitik zu betreiben. Vermutlich reisten die hohen Herren mit zahlreichen Bediensteten, Pferden und Wagen an und es ist anzunehmen, dass die Wahl auf den Lahnhof fiel, weil er zur damaligen Zeit verkehrsgünstig gelegen und angemessen ausgestattet war, was auf eine gewisse Größe schließen lässt. Die Bedeutung der Behausung zu jener Zeit leitet sich aus der historischen Begebenheit ab.
Der Lahnhof wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts ein gräflicher Wirtschaftshof mit zahlreichen Wiesen, im frühen 19. Jahrhundert wurde dieser dann aber nach Nenkersdorf eingemeindet. Der alte Lahnhof, inzwischen eine Försterei und daher auch „Forsthaus Lahnhof“ genannt, wurde um 1820 abgebrochen und einige Jahre später durch ein zweistöckiges Forsthaus mit Wirtschaftsgebäuden neu aufgebaut. Man glaubte zu dieser Zeit übrigens, dass in dem Keller des alten Forsthauses die Lahn entspringen würde, daher war man bei dem Neubau vermutlich darauf bedacht, den alten Keller zu erhalten. Tatsächlich entspringt die Lahn allerdings ganz in der Nähe des Lahnhofes – inmitten einer auch noch heute sehr ursprünglichen Natur.

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Der Lahnhof mit Lahnquelle (rechts abgebildet). Stich von Christian Reinermann (1764–1835) – Wilhelm Güthling (Hrsg.): Siegerland – Blätter des Siegerländer Heimatvereins e. V., Band 36, Heft 2. Selbstverlag, Siegen 1959, Gemeinfrei, Link

Von der Königlichen Regierung in Arnsberg erhielt das Forsthaus im Jahre 1882, aufgrund zahlreicher Eingaben und Wünschen aus der Bevölkerung, die Konzession zur Führung einer Gaststätte. Aus dem alten Forsthaus hat sich in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts der heute bekannte Gasthof mit dem Namen „Forsthaus Lahnquelle“ entwickelt. Bei schönem Wetter lassen eine hervorragende Aussicht und die herrliche Landschaft den Lahnhof schon seit über 100 Jahren zu einem beliebten Ausflugsziel für Wanderer und Ausflügler werden. Neben der Eisenstraße führt auch der Rothaarsteig und der Europäische Fernwanderweg E1 durch Lahnhof und an dem Forsthaus Lahnquelle vorbei.
Unterhalb des Forsthauses hat man einige Quellen aus der direkten Umgebung irgendwann zusammengefasst in einem Teich, um so die Quelle der Lahn symbolisch zu manifestieren. Wie schon dargestellt, lässt sich die „eigentliche“ Lahnquelle nicht ausfindig machen, da die Lahn erst aus ihrem Weg in die nordöstliche Richtung des Rothaargebirges und später sich dem Westen zugewandt, Richtung Rhein fließend zur eigentlichen Lahn verwandelt, dem Strom, der schließlich in heutiger Zeit eine Bundeswasserstraße darstellt. Eines der ersten Gewässer, das sich mit der Lahn verbindet, ist die in der Nachbarschaft entspringende Ilse. Und wenn die entstehende, werdende Lahn nur gedacht und begriffen werden kann mit ihrem vollständigen Einzugsgebiet und in der Gesamtheit der ihr zuströmenden Gewässer, ist die Lahn schließlich ein definiertes Fließgewässer mit Quelle und Mündung. Schon während ihrer „Geburt“ und ihres „Werdens“. umgibt sich die Lahn mit der Aura des Außergewöhnlichen, denn einen definierbaren, natürlichen Quellpunkt besitzt sie nicht.

Limburg – Stadt, Burg und Dom

Inmitten einer grünen und fruchtbaren Landschaft siedelten die Menschen schon in früher Zeit im Limburger Becken. Bei Grabungen im Jahre 2012, auf dem Areal der damals noch geplanten (inzwischen fertiggestellten) „Lahntalbrücke Limburg“, entdeckten Archäologen Artefakte einer jungsteinzeitlichen Siedlung aus der Zeit um ca. 5000 v. Chr. und das sind die bisher ältesten entdeckten Spuren einer Besiedlung des Limburger Beckens. Auch sind Artefakte römischer Siedlung bekannt geworden.
Im 7. Jahrhundert errichteten die Merowinger zur Sicherung der Lahnfurt eine fränkische Burganlage auf dem Lahnfelsen. Dies bildet den Ursprung der Stadt Limburg. Im 10. Jahrhundert befand selbige sich im Besitz der Konradiner. Graf Konrad Kurzbold, selbst ein Konradiner, gründete mit Erlaubnis seines Vetters König Konrads I., innerhalb der „Lintburk“ (Struck, Quellen zur Geschichte der Klöster 1, Nr. 1) das St. – Georgs – Stift. So geschehen im Jahre 910. Die Gründung des Stiftes wurde unterstützt durch das Erzbistum Mainz. Unterhalb dieser Burg entstand im 11. und 12. Jahrhundert eine mit Wehranlagen befestigte Ansiedlung, die ab 1214 nachweislich Stadt genannt wurde.
Das Georgenstift und die inzwischen entstandene Kaufmannssiedlung der Stadt erfuhren seit dem 11. Jahrhundert einen starken Aufschwung. Im 12. Jahrhundert wurde eine Holzbrücke über die Lahn errichtet, was zu einer Aufwertung der Marktsiedlung am westlichen Burgberg führte und den Handel dort konzentrierte. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts kam es zu zwei Aufständen der Stadtbevölkerung gegen das Stift (1114 und 1129). Die hölzerne Brücke wurde im 14. Jahrhundert durch eine sechsbögige Brücke aus Stein ersetzt, zusätzlich wurde auf dem rechten Lahnufer ein quadratischer Brückenturm errichtet. Seine Obergeschosse wurden im 16. Jahrhundert für die Verwendung von Feuerwaffen umgebaut. Von Anfang an war die Brücke über die Lahn eine wichtige Einnahmequelle für die Stadt. Denn auf Grund des günstigen Lahnübergangs trafen gleich mehrere, wichtige Handelswege und Straßen in der Stadt zusammen: die Hohe Straße von Frankfurt nach Köln, die Hünerstraße aus dem Raum um Wiesbaden und die Handelsstraße aus dem Rheingau. Zusätzlich führte auch die Hessenstraße zwischen Wetzlar und Koblenz durch Limburg. Die Stadt hatte außerdem Zugang zu den Handelswegen aus Richtung Siegen und dem Rheinland. Bis in das Jahr 1918 wurde von jedem, der die Brücke nutzen wollte, ein Brückenzoll erhoben. Über seine Höhe und Bedeutung flammten im den Jahrhunderten immer wieder Streitereien auf.
Die Herrschaft über Limburg und das Georgenstift war abhängig vom Reich, dem Erzbistum Mainz und der Landgrafschaft Hessen.
Nachdem die Herrschaft durch das Aussterben der Konradiner im Jahre 966 an die Pfalzgrafen übergegangen war, fiel Limburg mit der Stiftsvogtei im 13. Jahrhundert als Leiniger Erbe an die Grafen von Ysenburg. In dieser Zeit, um 1180/90 bis 1235 entstand die spätromanische Stiftskirche auf dem Felsen direkt neben der Burg, der heutige Dom. 1235 wurde die heutige Kirche als Stifts- und Pfarrkirche geweiht. Im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts wurde zusätzlich auch eine neue und erweiterte Stadtbefestigung angelegt.
Unter Graf Gerlach I. von Ysenburg, der sich auch Gerlach von Limburg nennen lies, wurde die Burg zum Wohnen erweitert. 1279 kam es unter seiner Herrschaft zu einem Aufstand der Limburger Bürger, wobei sich die Stadtbewohner Rechte bei der Steuererhebung, der inneren Gerichtsbarkeit, der Eheschließung und dem Siedlungsausbau sicherten.
Zwei Brandkatastrophen zerstörten in den Jahren 1289 und 1342 weite Teile der Stadt.
1349/50 wütete die große Pestwelle in der Stadt, was zu einer Judenverfolgung in der Stadt führte. Diese Progrome waren zuvor von Kaiser Ludwig IV. dem Bayern verboten worden, er hatte zwischen 1338 und 1341 die Stadt verpflichtet, zuvor vertriebene Juden wieder aufzunehmen und vor künftigen Progromen zu schützen.
Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts war die Hälfte der Herrschaft über Stadt und Burg an das Erzbistunm Trier verpfändet. Im selben Zeitraum wurde die Schiede errichtet, um die Vorstädte zu sichern. Zwischen 1349 und 1383 wüteten drei Pestepedemien in der Stadt. Die Burg wurde durch Graf Johann II. erweitert, nachdem 1379 die Burg teilweise bei einem Brand zerstört wurde. Dabei entstand unter anderem der noch heute in Partien erhaltene, südliche Saalbau mit zwei Stockwerken.
Im Laufe des Mittelalters und der Frühneuzeit erhielt Limburg weitere herausragende Bauwerke und Erweiterungen: zahlreiche Burgmannensitze, sowie Adels- und Klosterhöfe. Vor allem sind das Gotische Haus und der Walderdorfer Hof als Beispiel zu nenen. Das Gotische Haus ist inzwischen in den Rang eines „Nationalen Denkmals“ erhoben worden.
Vom späten 15. bis zum frühen 16. Jahrhundert wüteten erneut schwere Pestepedemien in der Stadt.
Limburg wurde im Dreißigjährigen Krieg durch bayrische, französische und kaiserliche Truppen erobert und geplündert. Ende des 18. Jahrhunderts eroberten französische Truppen unter Kaiser Napoleon die Stadt, dabei wurde die Brückenvorstadt durch Artilleriebeschuss der feindlichen Truppen stark beschädigt und größtenteils dem Erdboden gleich gemacht.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden Stadtmauer und Wehrtürme weitgehend abgerissen. In diesem Zeitraum erlebte die Stadt durch die erweiterte Schiffbarmachung der Lahn und durch den Bau der Eisenbahnstrecke, sowie den Bau von Straßen nach Koblenz, Frankfurt und Köln einen enormen, wirtschaftlichen Aufschwung.
Nach 1945 nahm die Bevölkerung um knapp ein Drittel zu und das Stadtgebiet dehnte sich auf seine heutigen Grenzen aus.
Im Jahre 1827 wurde das Bistum Limburg gegründet. Damit wurde aus der Stifts- und Pfarrkirche die heutige Bischhofskirche. Der Dom wurde im Laufe seiner Geschichte nie zerstört, erfuhr aber trotzdem zahlreiche Veränderungen im Zuge von Restaurierungen. Besonders erwähnenswert ist der Umstand, dass sich die Menschen des späten 19. Jahrhunderts im Zuge der Romantik nicht vorstellen konnten, dass die Außenseite im Mittelalter farbig gewesen war. Daher entfernten sie den Außenputz und der Dom war über Jahrzehnte grau und dunkel, sein bloßes Mauerwerk präsentierend. Erst im Zuge der vorerst letzten Restauration um 1967 wurde der Außenputz und die Farbigkeit dem Dom zurückgegeben und zwar in der Art und Weise, die dem mittelalterlichen Ursprung am nächsten kommt. Der unverputzte Zustand ist auf zahlreichen, historischen Bildern zu sehen. Unter anderem wurde er auch ohne den farbigen Außenputz über 28 Jahre auf dem Westdeutschen Geldschein mit der höchsten Zahl abgebildet:

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Die Rückseite des 1000-DM-Scheins mit dem Limburger Dom (1964 – 1992).
Quelle

Den Dom kann man besichtigen, es werden dazu auch Führungen angeboten. Die Termine kann man hier erfahren. Ebenso kann man den Dom im Rahmen eines Gottesdienstes besuchen. Hier sind die Termine dafür.

Burg Laurenburg

Zahlreiche Burgen, Schlösser und Ruinen zeugen von den komplexen und immer wieder wechselnden Machtverältnissen an der Lahn in ihrer Geschichte. Eine dieser steinernen Zeugen ist die Burgruine Burg Laurenburg. Der gleichnamige Ort und die darüber liegende Burg Laurenburg verorten sich im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz. Unterhalb der Burg befindet sich, direkt an der Lahn gelegen, Schloss Laurenburg, eine dreiflüglige Gesamtanlage mit Gartenterrasse, erbaut Ende des 18. Jahrhunderts. Das bescheidene, kleine Schloss wurde als Sommersitz errichtet und beherrbergte früher unter anderem die Berkwerksdirektion der Grube Holzappel, ein inzwischen stillgelegtes Blei-Zink-Berkwerk in der Esterau in der Gemeinde Holzappel. Heute ist es ein Wohnheim für unterstützungsbedürftige Menschen der Stiftung Scheuern. Es kann nur von außen besichtigt werden.
An dem Schloss vorbei führt ein unscheinbarer, schmaler und steiler Fußweg zur Burg Laurenburg. Körperlich entsprechend fitten Besuchern empfehle ich auf jeden Fall, diesen hübschen, romantischen Steilweg auf den etwa 180 m ü. NHN hohen Ausläufer des Turmbergs zu nehmen, um Burg Laurenburg zu besuchen.
Es geht steil aufwärts und unter Atemproblemen sollte man nicht leiden, aber man muss ja nicht hinaufjoggen. Wenn man mit dem Auto anreist, kann man dieses im Tal am Bahnhof Laurenburg abstellen (eröffnet 1862) und dann über die Lahnbrücke zum Schloß wandern, um den Weg fußläufig zu nehmen. Aber auch mit dem Auto ist die Burg erreichbar: von Laurenburg oder Scheidt kommend, führt die Kreisstraße K 23 östlich an der Burg vorbei. Mit dem Auto kann man an der Ruine auch parken, aber groß ist die Stellfläche freilich nicht.
Ist man oben angekommen, befindet man sich gemeinsam mit der Burg auf dem Ausläufer eines schmalen Bergrückens, der sich zwischen den Tälern der Lahn im Süden und des Waselbachs im Westen auf der Gemarkung der Ortsgemeinde Laurenburg erhebt. Wenn man freundlich den Besitzer der Burg fragt, erlaubt er das Besteigen des Bergfrieds. Von hier aus ergibt sich ein atemberaubend schöner Ausblick in das weiter süd-westlich führende Lahntal, östlich kann man Laurenburg und südlich die Steilhänge des Lahntals sehen, nördlich blickt man in Richtung der Ortschaften Scheidt, Hütte und Holzappel, selbige sind aber gänzlich nicht zu sehen durch die mit Mischwald dicht bewachsenen Hänge. Da kann man sich schnell in die damaligen Erbauer hineinversetzen, die genau an dieser Stelle eine Burg errichteten, weil die Position strategisch so günstig gelegen ist. Die Geschichte von Burg Laurenburg ist sehr detailliert auf der Seite des „Heimatverein von Laurenburg im Lahntal e. V.“ beschrieben. Dort gibt es auch weiterführende Informationen Rund um Laurenburg.
Die Burg ist heute im Privatbesitz. Mitte der 1980er Jahre begann der heutige Eigentümer den zu jener Zeit baufälligen Bergfried gemeinsam mit dem dafür eigens gegründeten „Förderverein Freunde der Laurenburg“ liebevoll zu restaurieren. In dem dort inzwischen wieder sehr autenthisch hergerichteten Rittersaal ist heute ein kleines Militärmuseum eingerichtet. Der Rittersaal kann auch für Hochzeiten als Trauzimmer genutzt werden.
Aus meiner persönlichen Sicht ist das Vorhaben zum Erhalt der Überreste der ehemaligen Burg Laurenburg hervorragend gelungen. Ein Besuch, selbst nur von außen, ist empfehlenswert.

 

Der Botanische Garten in Gießen

Zwei Jahre nach der Universitätsgründung in Gießen durch Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt überlies dieser der damals nach ihm benannten Universität einen kleinen Lustgarten mit einer Fläche von etwa 1200 Quadratmetern, direkt hinter dem Alten Schloss und dem Kollegiengebäude am Brandplatz (das Gebäude existiert heute nicht mehr). Im Verständnis der damaligen Zeit war Botanik vor allem Heilpflanzenkunde. Und so war es der Mediziner und Botaniker Ludwig Jungermann (1572-1653), Angehöriger der Medizinischen Fakultät (diese gehörte von Anfang an zur Universität in Gießen), der dort einen Apothekergarten, einen „hortus medicus“ anlegte. 1720 entstand dort das erste Glashaus, das erst 1859 wieder abgerissen wurde. Für 1733 lässt sich zum ersten Mal die Bezeichnung „Botanischer Universitätsgarten“ nachweisen.
Weil die Stadt Gießen im 16. Jahrhundert Landesfestung war, wurden im enormen Umfang zwischen 1560 und 1570 Verteidigungsbauten in Form der seinerzeit üblichen Wälle und Bastionen zu einer mächtigen Befestigungsanlage ausgebaut. Sie waren so umgangreich und groß, dass die Stadt bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts die Fläche noch nicht bebaut hatte. Der Botanische Garten liegt am östlichen Rand des ehemaligen Festungswalls und im heutigen Anlagenring von Gießen lässt sich der Verlauf der alten Stadtbefestigung noch verfolgen.

Als „Gartenstadt“ wurde Gießen in den
Die Forstwissenschaft wurde in Gießen durch Friedrich Ludwig Walther (1759-1824) begründet und zu diesem Zweck richtete er 1802 östlich des damaligen Botanischen Gartens einen Universitätsforstgarten ein. Als Anfang des 19. Jahrhunderts die Festungsbauten und -wälle abgerissen und geschleift wurden, gliederte man die gewonnene Fläche ein. Als der Forstgarten 1825 an den Schiffenberg umsiedelte, verblieb der prächtige Baumbestand dem Botanischen Garten. 1926 wurden die ursprünglich getrennten Anlagen zu einer zusammen gelegt und der Garten erhielt seine noch heute existierende Fläche von etwa 3 Hektar. Detaillierte Informationen zur Geschichte des Botanischen Gartens kann man im Text von Holger Laake, dem heutigen Technischen Leiter des Botanischen Gartens auf der Webseite der Universität Gießen hier nachlesen.
Im Laufe der letzten 400 Jahre ist viel geschehen, was dem Botanischen Garten in seiner heutigen Form seine Gestalt gegeben hat. Seine Schönheit sucht seinesgleichen. Besonder beeindruckt mich der alte Baumbestand und der waldähnliche Charakter. Heute bewegt man sich durch die Innenstadt von Gießen über Stein und Asphalt, ist umgeben von massiven und hohen Gebäuden. Und plötzlich befindet man sich in einer völlig andren Welt, der Übergang ist so unmittelbar, dass es mich jedesmal aufs neue erfreut, wenn ich den Garten besuche. Er besitzt etwas zauberhaftes, fast schon mystisches. Und das, obwohl er sich der Naturwissenschaft verschrieben hat. Aber gerade dieser Spannungsbogen macht ein Aufenthalt dort zu etwas ganz besonderes. Besonders in Erinnerung bleibt mir die „Gartenkatze“, ein schwarzer Vertreter der Feloidea. Ich begegnete ihr unvermittelt, als ich mir ein paar Heilpflanzen genauer ansah. Plötzlich war sie neben mir und legte sich auf den Weg und begann sich zu strecken. Ich war wirklich überrascht! Beobachtet habe ich das Tier schon ein paar Male, aber sie freiwillig neben mir zu wissen, überraschte mich schon. Ich durfte sie sogar streicheln. Seitdem halte ich immer wieder nach ihr Ausschau. Sie wählt sich „ihre“ Menschen aus, aber sie ist immer freundlich zu allen. Manchesmal liegt sie in der Sonne zu Füßen eines Studenten oder einer Studentin, die auf einer der zahlreichen Besucherbänke sitzt und ein Buch liest oder mit seinem Smartphone textet. Dumpf dringt der Lärm der Autos vom Gießener Stadtring herüber. Doch im Botanischen Garten ist man davon gefühlt so weit weg. Ein schöner Garten, der immer einen Besuch wert ist.
Detaillierte Informationen zur Gestaltung des Botanischen Gartens können sie hier finden.
Seit Sommer dieses Jahres werden die alten Gewächshäuser abgerissen und in den nächsten zwei Jahren wieder aufbebaut. Das wird dem Garten ein neues Gesicht geben. Auch wenn ich heute weiss, dass ich – aus beruflichen Gründen – mein geliebtes Hessen demnächst verlassen werde, so ist es sicher, dass ich zurückkehren werde, um das neue Gesicht des Gartens sehen zu können. Darauf freue ich mich schon!

 

Der Marktplatz von Alsfeld

Bei strahlenden Sonnenschein besuchte ich Alsfeld und fest hatte ich mir vorgenommen, den berühmten Marktplatz im historischen Stadtzentrum zu besuchen. Schon die ersten Fachwerkhäuser beeindruckten mich aufgrund ihrer Vielfalt und Farbenfreudigkeit. Jedes Bauwerk ist ein Unikat, keines gleicht dem anderen und doch verbinden sie gemeinsame Elemente und formen das Stadtbild. Eng sind die Straßen, wie es früher halt übliche war, wurde gebaut und jede Ecke ausgenutzt. So wechseln sich Gassen und Straßen ab, bis man zum Marktplatz kommt, der wirklich beeindruckend ist. Eine freie Fläche, rechteckig und umgeben von historischen Bauwerken. Besonders sticht die Walpurgiskirche und das über die Stadt Alsfeld hinaus berühmte Rathaus von Alsfeld hervor. Aber es sind nicht diese Bauten alleine, die den Charakter des Stadtzentrums formen, nein, es sind die liebevoll restaurierten Gebäude und die freundlichen Menschen, denen man begegnen kann. Mein Auge sieht sich gar nicht satt an den reichhaltigen Formen und Farben der Bauwerke. Die Stadt ist bekannt für ihre geschlossene, historische Bebauung. Zahlreiche Besucher nutzen, wie ich ja auch, das schöne Wetter und sind an diesem schönen Tag im Mai unterwegs. Ich kann verstehen, warum sich so viele Besucher in Alsfeld verlieben, warum so mancher dort sich nieder gelassen hat. Der Ort strahlt Atmosphäre aus, hat nichts eingebüßt von seinem ursprünglichen, ureigenen Charme. Besonders, wenn man auf dem Marktplatz steht, kann man dies spüren. Um den Marktplatz als Zentrum verläuft in einiger Entfernung die aus strategischen Gründen nahezu kreisförmige Stadtmauer, welche heute so nicht mehr existiert. Denn in der jüngeren Vergangenheit wurden die Steine der Stadtmauer als Baustoff für neue Häuser verwendet. Die Fachwerkhäuser sind in Stockwerkbauweise (oder auch „Rähmbauweise“ genannt) errichtet. Das historische Rathaus ist ein Wahrzeichen der Stadt und wurde in zwei Bauphasen im frühen 16. Jahrhundert errichtet, wobei erst der markante, steinerne Unterbau und später der Fachwerkaufbau errichtet wurde. Der steinerne Unterbau wurde lange Zeit als Markthalle genutzt. Das sogenannte Weinhaus befindet sich in unmittelbarer Nähe und an ihm befindet sich noch heute der Pranger in Form eines schließbaren Eisenringes, der früher den Regelbrechern um den Hals gelegt wurde. Dadurch waren die Delinquenten dem Spott und der Missachtung der früheren Einwohner ausgesetzt. Gut, dass es so etwas heute nicht mehr gibt und wir unsereren Rechtsstaat haben. Obwohl ich sicher bin, dass so mancher sich manchmal für bestimmte Regelbrecher wieder einen solchen Pranger wünscht. Nun ja, ich schweife ab, wenn ich schreibe, dass dies heutzutage im Internet seine Widerkehr feiert, nur halt nicht mehr mit einem Eisenring um den Hals gelegt. Übrigens weist der zum Pranger gehörige Trittstein deutliche Gebrauchsspuren auf…
Das Weinhaus ist mit einem schönen Staffelgiebel ausgestattet worden und es steht heute unter Denkmalschutz. Die Verwaltung der Stadt Alsfeld nutzt es als Hauptsitz.
Das älteste Fachwerkhaus der Stadt ist direkt an das Weinhaus angebaut und wurde – im Gegensatz zum Weinhaus, dass aus massiven Stein errichtet wurde – in der wohlbekannten Rähmbauweise errichtet. Direkt dahinter befindet sich die aus dem 13. Jahrhundert stammende, evangelische Walpurgiskirche. Der Kirchenturm stürzte einmal ein und wurde wieder neu errichtet und zwar erinnert eine Sandsteintafel am Turmdurchgang an den Einsturz am 25. Januar 1394. In dem Turm lebte in früherer Zeit ein Türmer mit seiner Familie. Seine Aufgabe war es, die Uhrzeit zu schlagen, aber auch die Bewohner von Alsfeld vor herannahmenden, feindlichen Horden und Feuer zu warnen. In dem Turm befindet sich auch eine Art Verließ aus dem 16. Jahrhundert, welches für störende Gottesdienstbesucher verwendet wurde. Auch ungehorsame Schüler der gegenüberliegenden Lateinschule wurden hier zur Maßregelung eingesperrt. Die sieben Glocken, über welche die Walpurgiskirche verfügt, erklingen als vierstimmiges Hauptgeläut zum Gottesdienst an Sonntagen und ist in seiner heutigen Form seit 1617 nicht mehr verändert worden. Seit 2006 ertönt täglich mittags ein Glockenspiel.

Es existieren einige Legenden zur Entstehung des Stadtnamens. So erzählt man sich, dass der Landgraf von Hessen/Thüringen zu Beginn des 13. Jahrhunderts in den Vogelsberg gereist sein soll. Bei einem seiner Ausritte gelangte er auf den Homberg, das ist ein Hügel ganz in der Nähe von Alsfeld. Es wird berichtet, dass dort ein starker Wind wehte, so stark, dass der Landesherr immer wieder seine Kopfbedeckung vom Haupte geblasen bekam. Und so sprach er zu seinen Begleitern: „Als fällt mir der Hut vom Kopp!“. Der Nicht-Hesse muss wissen, dass im mittelhessischen (gleichzusetzen mit oberhessischen „Platt“) das Wort „Als“ für „immerfort“, „andauernd“ oder „immerwieder“ steht. Aus „Als fällt…“ wurde dann Alsfeld. „Kopp“ steht im mittelhessischen übrigens für „Kopf“. Das ist eine nette Anekdote aber sicherlich nicht wirklich die Herkunft der Ortsbezeichnung. Aber mir gefällt die Geschichte und ich erzähle sie mit einem Schmunzeln auf meinen Lippen.